Archiv der Kategorie: Geschichten

Schwarzwaldgeschichten

Ein Bauer springt vom Trecker
er ist im Wald und Tannen duften lecker
die Sonne kitzelt ihm in Nacken
er schwitzt muss sich entpacken
das unterste an Höschen lässt er an
eine rote Bank da steht und lacht ihn an
er macht sich darauf ganz schön lang
ein Fahrrad kommt herangefahren
der Mann ordnet an der Hosenbahn
eine Frau fährt langsam auf ihn zu
und beide verfallen gleich ins du
der Bauer spricht auch mal vom Trecker
denn nicht nur Tannen duften lecker

vanga


Die Gebastelte

So kostbar war  Sie für ihn. Er liebte wie noch nie.  Die größte Freude bereitet ihm die Zubereitung seiner  Geschenke für  diese wahnsinnig machende Liebe. Schmuckbeladen öffnete seine Angebetete  dann die operierten großen Augen. Auch die hatte er ihr bezahlt. Eines seiner ersten Geschenke. Oft kicherte sie ungeduldig in größter Erwartung auf die nächste Überraschung wenn er abends in die Wohnung trat und so schleppte er Tag für Tag was ihr Herz sehr mag.
Unermüdlich bastelte er an ihrem Traum und konnte dafür unglaublich lieben. Voll war sein Herz vor lauter Glück und schwebte auf Wolke 7. Niemals  zuvor hatte er so gefühlt und mit vollen Händen gab er was sie wollte und das leise Lachen und ihre Hand in seinem Nacken ….
Er war ihr hörig, das wusste er aber es war ihm ungehörig egal

vanga

der Fisch

Der Fisch fängt an zu schwimmen
sein Ziel –  das große weite Meer.
So lang er denken und
auch schwimmen kann
gibt es genau vier Ecken
ab da geht gar nichts mehr.
Das ist bestimmt nicht alles
weiß selbst der dümmste Fisch
eines Tages wird er rausgefischt
aus seinem gläsernen  Gefängnis.
Am Abend soll er auf den Tisch
doch das, das weiß er nicht 😉
im Plastikbeutel stiert er vor sich hin
und malt sich neue Freiheit aus.

Heute gibt es mal ein gutes Ende.
Freunde laden ein zum Essen außer Haus
so setzten seine Käufer den Fisch
am nächsten Fluss ganz einfach aus

und so fängt dieser  Fisch dann an zu schwimmen
sein Ziel –  das große weite Meer.

vanga

 

Der kleine Junge

der Jungeer läuft durch den Park, im Purpurmantel, den er gar nicht mag. Sein Elfenbeingesicht wie zart, die großen Augen und das rote Haar, es leuchtet kupferfarben in der Abendsonne.

Dort hinten hinter einer Hecke sieht er jemand stehen. Angst hat er nicht, denn er läuft hin. Die Frau aus Stein, er kennt sie schon, kommt oft hierher wenn er mal reden will. So oft ist er allein, die Eltern sind viel aus. Mit der Kutsche gerade wieder weg, irgendwo gibt es sicher wieder ein Bankett und Martha, seiner Kinderfrau lacht lieber mit den Burschen. Er wird von niemandem vermisst und packt in Ruhe seine Schätze aus.
Warum sie hier wohl steht, so stumm und alt, doch schön. Förmlich spürt er ihren Blick, bestimmt hat sie den ganzen Tag auf ihn gewartet.
Begeistert greift der kleine Bub in seine Taschen, bringt vier Steine heraus, legt sie behutsam ihr zu Füßen und strahlt. „Schau, die habe ich dir mitgebracht. Sie sind aus Stein – wie du und wenn du Langeweile hast, kannst du damit auch malen. Das sind Taschenschmeichler sagt die Marta, aber ich weiß nicht was das ist. Ich möchte sie dir schenken, verstecke sie bitte gut, denn wenn die Martha sie vermisst, ich will nicht daran denken
und jetzt mach’s gut, wir sehen uns morgen und werde dir wieder was besorgen …“

vanga
Schreibwerkstatt 05/11/15

du kleine braune Nuss

Ich sitz am Küchentisch bei einem Tee und schau dich an,
Mal dir Augen, Nase, Mund und schon bist du ein Wichtelmann.
Ein Körper ist es, der noch fehlt, will gleich mal schauen, was da geht.
Die Kerze brennt, ich trinke Tee, schau dir ins Gesicht und denk
du bist so still, willst sicher nichts erzählen
und so erzähle ich vom Tag, was mir auf der Seele lag:
erzähle dir, der stummen Nuss, meinen Hass, die Wut + den Verdruss.
Halte dabei deinen Kopf mit meinen Fingern, trinke immer wieder Tee
schau dich an und bin erstaunt, wozu so eine Nuss gut sein kann.

Unser Gespräch ist abrupt vorbei, die Tür fliegt auf, gefolgt von Kindergeschrei.
Meine Frau bemächtigt sich der lieben Nuss, es knackt, sie fällt in tausend Teile
das Kind es ißt und wird still für eine ganze Weile.

Ich bin erschüttert – was für ein Ende!!!!!!!! Danke für das Gespräch, du Nuss
………..schön dass mir nochmal jemand zugehört hat 😉

Schreibwerkstatt Kreuztal

der Schlüssel zum Leben

Marianne kommt nach Hause. Es ist schon spät – sie schließt die Türe auf. Nur noch raus aus den Schuhen, dem Mantel und erstmal ab in die Küche, einen Schluck Wein. Der Tag war heftig, sie will nur noch ins Bett. Da klingelt es an der Tür – Marianne will es aber nicht hören – nimmt ihren Schlüssel und schließt die Haustür sehr geräuschvoll ab. Jetzt, so atmet sie durch, endlich Ruhe – ist doch so platt.
Am nächsten Morgen ruft ihre Schwester an. Beschwert sich, dass sie gestern Abend nicht mehr geöffnet hat. Heute möchte sie Mariannes Auto leihen, nur für heute – nur für einen Tag. Doch Marianne antwortet, dass sie den Schlüssel verloren hat. Marianne will ihre Ruhe, kann die Schwester das nicht verstehen.
Sie will nichts, sie gibt nichts, lügt extra so unverfroren – und wenn die Schwester gleich fragt, wie es ihr geht, antwortet Marianne, sie hätte wohl den Schlüssel zu ihrem Herzen verloren.

Schreibwerkstatt Hilchenbach

bei den Großeltern

Max und Clara übernachten mal wieder bei den Großeltern. Wie immer wird es eine schöne Zeit. In Omas Bett Fernsehen und dabei ausgiebig naschen……. Buden bauen, Rollenspiele ausdenken. Die Fantasie kennt keine Grenzen und der Tag ist schnell vorbei.

Am nächsten Morgen ist Max schon früh auf. Er liebt seine Selbstständigkeit und ist sehr stolz darauf. Im Bad den Hocker schieben und schon kommt man hinauf. Max kennt sich aus in diesem kleinen Haus. Jeder Winkel ist erforscht. Der kleine Mann – weiß Bescheid. Als erstes holt er die Zahnbürsten für sich und seine Schwester aus dem Schränkchen. Ein Glas steht da – das ist der Oma – ihre Zahnbürste nimmt er hinaus und legt sie sorgfältig auf den Waschtisch.
Aber während dem Zähneputzen sieht er noch eine weitere vereinsamte Zahnbürste zwischen den Putzmitteln im Eimerchen am Boden stehen. Auch diese hebt er auf, soll doch nicht alleine liegen.
Vielleicht ist sie ja auch von Opa?
Rundsrum zufrieden spaziert er anschließend aus dem Bad. Er kümmert sich so gern um alles !!!!!
Oma hat nicht so viel Zeit an diesem Morgen. Fährt nur mit dem Lappen durchs Gesicht, putzt schnell die Zähne. Ein bisschen merkwürdig fühlt sich das schon an…… schäumt gar nicht so!!!!!!!
Am Nachmittag sind die Großeltern wieder allein und Oma räumt auf. Im Badezimmer stutzt sie, zählt die Zahnbürsten nach, ihr Blick fällt zum Eimer und sie kann nur hoffen, dass es ein Traum ist……………………
Mäxchen weiß doch … der OPA hat sein eigenes Bad

immer im Aufrag

Sie schaut in ihren Garten. Es ist Oktober, aber seit Juli war sie bestimmt nicht mehr hier. Alles ist verblüht in ihrer Abwesenheit, dabei war sie doch immer hier! Nur ein paar Stufen hinderten sie. Wie immer hat sie noch nicht mal hingeschaut, während alles seinen Untergang plant.
Das Leben kommt auch nicht zu ihr …… so denkt sie in dieser Zeit……… und das seit Jahren! Wie die Natur alljährlich stets den Kampf verliert und im Winter vermeintlich untergeht – so fühlt auch sie sich. Einfach weggeblüht.
Doch dann kommt diese Zeit, in der sie tanken kann. Während alle jammern über Winterdepression, leuchtet ihr das Licht. Und wenn ihr Garten sich zur Ruhe legt, greift sie zu neuen Fäden. Denkt nach über den Sinn, das Leben, die Liebe, die Freude und vergisst dabei, dass das Leben gar nicht mehr an sie denkt.
Dabei denkt es an sie und freut sich über die dunklen Tage 😎

Nächstenliebe in der Lebenssackgasse

Die dunkle Seite im Leben beerdigt dich soeben
du drohst zu ersticken, was ist denn passiert?

Ein Moment gab dir soviel Hoffnung
dein Leben wurde auf einmal sehr bunt
die Sehnsucht hatte dich verstanden
meinst du und bastelst mit ihr
an einer aufregend neuen Zukunft herum.
In dieser Welt, so träumst du, willst du leben.

Doch dann bricht dieser Rahmen entzwei
und blind vor Tränen, die Seele zutiefst verletzt,
stolperst du zurück in dein altes Leid:
Traumatisiert bemerkst du erst nicht die Hilfe
der weichen Arme aus einer ganz anderen Welt,
aber später erfährst du, es gibt immer jemanden,
der das Leid eines Anderen fühlt und zu ihm hält.

Die Hilfe im Rahmen überschreitet nie ihre Grenze
sie bleibt in ihrer Welt und auch du solltest das tun,
denn irgendwann geht dein Tanz zurück über die Brücke
und führt gradewegs in ein neues blühendes Irgendwo.

Die Nächstenliebe bleibt zurück und ruht sich aus,
hoffentlich kommt nicht gleich schon der Nächste
denkt sie – doch wenn die Not ruft – muss sie raus 😉

andrea ade