Den Reim im Mund

Als ich am Sonntagmorgen meinen Waldspaziergang machte, stand plötzlich eine Fee vor mir und sagte: „Du hast drei Wünsche frei.“

Zuerst lachte ich erstmal herzhaft auf, doch ungerührt blieb sie vor mir stehen. Meine weiteren Überlegungen, wer sich wohl so einen Scherz mit mir erlaubte und gerade jetzt hinter dem nächsten Baum versteckte, um schallend lachen aufzutauchen, blieben jedoch ohne Resonanz.
So sprach ich laut zu ihr, denn ich vermutete immer noch irgendein  Gehör  „Ich selber habe keine Wünsche, deshalb ist mein erster Wunsch, erfülle dem Nächsten, der hier vorbeikommt, die für mich bestimmten zwei weiteren  Wünsche.

Geduldig warteten wir so auf den nächsten Spaziergänger, der irgendwann sicher vorbeikommen würde  und  ich zudem noch auf die baldige Auflösung dieses unmöglichen Scherzes. Doch es tat sich nichts und angekommen in dieser merkwürdigen Stille dachte ich an meinen hoffnungslos überzogenen Dispokredit bei der Bank, sowie an meine so verhasste Litfaßsäulenfigur.

Wäre das nicht zwei  Wünsche wert gewesen? Doch nun war es zu spät. Die Wünsche hatte ich ja jetzt verschenkt. Bedrückt schaute ich  verstohlen zu der Fee und da war ein mildes Lächeln in ihren Augen zu sehen, denn natürlich konnte so eine Fee auch Gedanken lesen.

Plötzlich holte sie ihren Zauberstab hervor und goldener Funkenstaub sprühte aus ihm heraus.
„Dein erster Wunsch, er ist erfüllt“ sprach sie. Dort hinten sieht es ganz nach einem Reimund aus.

vanga

Schreibtag auf der Ginsburger Heide 22/06/2020

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