Archiv für den Monat: Juni 2011

„Zen“ schreibt

Der Tugendhafte ist <<gegen seinen Freund wie gegen sich selbst gesinnt>>. So ist der Freund ein <<zweites Selbst>>.

Folglich bedeutet den Freund wahrnehmen so viel wie in gewisser Weise sich selbst wahrnehmen und in gewisser Weise sich selbst erkennen. Freundschaft ist eine Spiegelbeziehung zwischen sich und dem Anderen. Man nimmt sich selbst wahr im Freund. Man gefällt sich im Anderen. So ist der Freund seinem Wesen nach mein Freund.

Nikomachische Ethik

23. April

SCHLUSSSTÜCK

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke – 1906 –

Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß es dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Er löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gerne gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke